2 SENIORS GO NORTH

Die Idee hatten wir – Michael 61 und Günter 67 Jahre alt - im Herbst 2019. Seit vielen Jahren radeln wir durch Europa – von Kopenhagen nach Berlin, von Bozen über die Alpen nach München, an der Loire entlang durch Frankreich, von Trento in die Toskana -, … Wir pendeln bzw. pendelten mit dem Fahrrad von zu Hause zur Arbeit. Im Herbst 2019 haben wir uns dazu entschlossen, von zu Hause zum Nordkap zu fahren. Es gibt kaum etwas Schöneres, als die Natur auf dem Fahrrad zu erleben. Per Bahn oder dem Auto unterwegs, rauschen die Landschaften, kaum wahrgenommen, an uns vorüber. Zudem sind wir umweltschonend unterwegs, ein durchschnittlicher PKW stößt auf einer vergleichbaren Strecke (8.000 – 9.000 km) ca. 2.000 kg CO2 aus. Wir werden am 20. Juni 2021 in Düsseldorf / Wuppertal starten und fahren bis nach Flensburg, durch Dänemark bis nach Hirtshals. Dort setzen wir mit der Fähre nach Kristiansand, Norwegen über. Die Route führt dann nach Bergen an die Westküste Norwegens und weiter nach Trondheim bis Bodo, von wo wir auf die Lofoten übersetzen. Wir radeln nach Tromso und erreichen voraussichtlich Mitte/Ende August das Nordkap. Anschließend geht es retour. Die beschriebene Route ist ziemlich genau 4.500 km lang. Welche Route wir zurück nehmen, haben wir noch nicht festgelegt. Unsere Ehefrauen erwarten uns jedoch im September wieder zurück.· Wir haben uns robuste E-Bikes zugelegt, so haben wir bei der Bewältigung von ca. 27.000 Höhenmeter (Hinfahrt) zur Muskelkraft eine zusätzliche Unterstützung. Verschiedene Routen mit Fokus auf Fahrradtauglichkeit, Stromversorgung für unsere Räder, Übernachtungsmöglichkeiten, Streckenlänge, Fährverbindungen u.a.m. wurden untersucht. Inspiriert, auch durch den Briten „Captain Tom“ wollen auch wir ein soziales Projekt oder eine soziale Einrichtung unterstützen. Wir haben uns für die AIDS-Hilfe Wuppertal entschieden. Zur musikalischen Begleitung der Tour haben wir ein Lied verfasst. Der Text des Liedes versucht unsere Einstellungen, Vorstellungen und Erwartungen zu diesem Abenteuer zusammenzufassen. Dazu später mehr …

Wir werden von unseren Erlebnissen fortlaufend berichten. Bleibt bitte dran und seid Teil unseres Abenteuers.


Liebe Grüße
Michael & Günter
Im Mai 2021

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Spendenkonto der AIDS-Hilfe Wuppertal:

IBAN DE68 3305 0000 0000 9189 04

Kennwort „2 SENIORS GO NORTH

Stadtsparkasse Wuppertal

BIC WUPSDE33XXX

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Wir sind bereit!
Die Vorbereitung begann wohl ziemlich genau zum Jahreswechsel 2019 auf 2020. Der Filzstift verband nach und nach die Städte und Ortschaften auf der mitgeführten Straßenkarte von Deutschland, Dänemark und Norwegen. Wir saßen in einem Ferienhaus nahe des Genfersees und entwarfen die erste grobe Route aus dem Rheinland zum Nordkap. Im Februar 2020 bestellten wir uns robuste Räder, um die anspruchsvolle Strecke bewältigen zu können. Von nun an nahm die Vorbereitung „Fahrt auf“. In den folgenden Monaten unterzogen wir den Rädern als auch uns wöchentliche Kraft- und Ausdauerprüfungen. Wochenende für Wochenende befuhren wir die Straßen und Radwege des Bergischen Landes – rund um Wuppertal - und des Niederrheins – rund um Düsseldorf. Insgesamt legten wir bei jedem Wetter wohl um die. 4.000 km zurück.
Die Inspektions- und Wartungsarbeiten mit Erneuerung der Verschleißteile, wie Bremsbeläge, Ketten und Zahnradkassetten, sind ebenfalls abgeschlossen. Die Packtaschen stehen bereit, die notwendige Kleidung und das sonstige Equipment ist „weitgehend“ ausgewählt. Es kommt nur noch auf das Packmass und die maximalen Kilos an! Die Corona-Pandemie und die notwendigen Impfungen haben unsere Planungen noch einmal ordentlich durcheinandergeschüttelt. Auch die Länder (Dänemark und Norwegen), welche wir bereisen werden, zeigten sich nicht einheitlich bezüglich Öffnungen zum Tourismus. Diese Woche nun erhalten wir die zweiten Impfungen und gelten nach einer Übergangszeit als vollständig geimpft. Wir freuen uns riesig und auch unser Umfeld ist wohl recht froh, wenn wir endlich auf der Tour sind. Die letzten Wochen waren stark geprägt von nur einem Thema, "2 Senioren auf dem Weg zum Nordkap".

Beste Grüße, wir halten Euch informiert.

Günter & Michael

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Sonntag, 20. Juni 2021

Die letzten Tage haben die 2 Seniors damit verbracht, sich von den Familien, Freundinnen und Freunden sowohl in Düsseldorf als auch Wuppertal zu verabschieden. Es wurden Gespräche über die Tour geführt, Infokarten verteilt, Spenden gesammelt, es wurde gesungen und gelacht. Heute ist es nun endlich soweit! Die große Tour beginnt! Hier noch ein letztes Foto vor dem Start welches zeigt, wie entschlossen Michael und Günter sich auf den Weg gemacht haben. Wir sind schon sehr gespannt auf all das, was sie uns von unterwegs berichten werden!

 

 

 

Erster Tourbericht

Nach einem tollen und sehr emotionalen Abschied von unseren Familien, Freunden und Nachbarn starteten wir am 20.06. auf unsere Tour. Der erste große Tourabschnitt führte uns an die Deutsch-Dänische Grenze. 550 km fuhren wir zum Teil bei heftigem Regen über stark befahrenen Landstraße und an riesigen Ackerbauliegenschaften entlang. Das war zum Teil recht eintönig und wir haben die vielen Kilometer "gefressen". Wir machten Abstecher in sehenswerte Städte wie Münster, Bremen, Schleswig und Flensburg. Hier wurden wir oft von Passanten auf der Straße oder während der Fahrt auf dem Rad zu unserer Reise angesprochen. Von wo kommt Ihr, wohin geht's?. Spätestens, wenn unser Ziel genannt wird, nimmt das Gespräch Fahrt auf. Welche Strecke, wieviel km, wie lange dauert es, bis Ihr das Nordkap erreichen werdet. In Bremen spendete Jürgen spontan 10€ für unser Projekt der  Aidshilfe, was uns sehr überrascht und erfreute. Bei schönem Wetter starten wir an diesem Samstag die Fahrt durch Dänemark



Zweiter Tourbericht

Der Tourabschnitt durch Dänemark begann am 26.06.2021 mit der Stadt Kolding. An der Grenze mußten wir uns einer ersten Coronaüberprüfung unterziehen. Hier machte sich unser erlektronischer Impfpass bezahlt. Wir waren happy! Die erste Hürde war genommen! In einem seichten Auf und Ab radelten wir entlang der nahezu schnurstracks in Richtung Norden verlaufenden Landstraßen. Die Sonne und der stärker werdende Wind begleitete uns auf dem Weg. Eindrucksvolle Städte wie Aarhus und Aalborg zeigten uns das unbeschwerte Leben der Dänen.
In einem irischen Pub erlebten wir unter vielen britischen Fans das Ausscheiden unserer Fußball- Nationalmannschaft und das Ende der Ära unseres Bunds-Jogi. Wir trafen auf durchweg freundliche und aufgeschlosse Gastgeber in unseren Unterkünften. Mit Blick auf die bevorstehende Einreise nach Norwegen und den Corona-Anforderungen, legten wir einen Pausentag in Hjörring ein. Auch Wäsche waschen und das Ölen der Fahrräder war angesagt.
Wir freuen uns nun auf Norwegen!

 

 

 

Dritter Tourbericht. von Kristiansand nach Bergen

Während wir in den ersten zwei Tourberichten über Begegnungen mit Menschen, Unterkünfte, Straßen und interessante Städte berichteten, stehen nun die Herausforderungen auf den anspruchsvollen Streckenanbschnitten und die Eindrücke von den fantastischen Weiten und Tiefen der Fjordlandschaften Norwegens im Vordergrund unsers dritten Berichts. Die Fähre von Hirtshals lief gegen Mittag bei Sonnenschein in Kristiansand ein.
Schon am ersten Tag unserer Reise durch Norwegen ahnten wir, dass diese Tour unsere Vorstellungen übertreffen wird. Vor uns tat sich ein Spektakel aus teils noch schneebedeckten Bergen, Wasserfällen, Seen und Fjorden auf, dass im Zusammenspiel mit  Wolken und Sonne immer wieder wechselnde Landschaftsbilder zauberte.
Haben wir die Übernachtungsunterkünfte der ersten zwei Tourabschnitte in Deutschland und Dänemark noch zwei Wochen im Voraus buchen können, so orientiert sich die Buchung der Unterkünfte in Norwegen vor wiegend an der für uns möglichen Streckenlänge, als auch am Streckenprofil. Beruhigend, dass man in Süd-Norwegen eine ausreichende Dichte an "Herbergen" findet. Dies sollte sich schon kurz vor Bergen schlagartig ändern.
Auf der bis hier zurückgelegten Strecke liegen sehr viele Skigebiete, demzufolge ist das Angebot an bezahlbaren Unterkünften durchaus umfangreich.
Die Kletterei in den Bergen, oft zur Umfahrung der zahlreichen Tunnel, brachte uns hin und wieder an unsere Grenzen. Doch die rasanten und atemberaubenden Abfahrten zauberten uns im Handumdrehen wieder ein Lächeln ins Gesicht.

 

 

Vierter Tourbericht

Eine Luft, die nach frisch aufgebrühtem Tee riecht und so kühl ist, wie ein soeben gezapftes Pils. Wir fahren durch die Norwegischen Schären. Eine Tagesroute, die uns von Nautesund nach Sobovag führt. Unten liegt ruhig der Fjort, der an beiden Seiten von schroffen, steilen Felswänden flankiert wird. Viele dieser Straßen, auf denen wir uns Richtung Norden bewegen, wurden wortwörtlich aus den Felsen gemeißelt. Kleine Hütten mit einem Steg, an denen Boote befestigt sind, liegen am Wasser. Weiter oben wurden schicke Holzhäuser auf Felsvorsprüngen errichtet. Grüne Hügel und zwischendurch immer wieder Wasserfälle, welche die Bergseen speisen, runden die prächtigen Naturbilder ab. Wir arbeiten uns Tag für Tag unseren nächsten Zwischenziel "Trontheim" entgegen. Die Suche nach für uns passenden Unterkünften am Abend, nimmt mit unter mehr als 2 Stunden in Anspruch. Hin und wieder müssen wir unsere Ursprungsroute verlassen, da dort keine Unterkunft zu buchen ist.
Fähren werden zunehmend zur Verbindung der Inseln und Querung der Fjorde unverzichtbar. Hin und wieder müssen wir zweimal pro Tag Fähren, die erfreulicherweise bis hierher für Fahrradfahrer und ihre Räder kostenfrei sind, nutzen.
Der fünfte Sonntag war ein regnerischer Tag. Bisher wurden wir vom Wetter fast durchgängig verwöhnt. Aber an diesem Tag regnete es nahezu unaufhörlich. Es war kalt und der Wind blies böig, aber glücklicherweise von hinten. Bis zur nächsten Unterkunft lagen 95 km, ca. 1000 Höhenmeter und zwei Fährfahrten vor uns. An diesem Morgen stellten wir fest, dass wir versäumt hatten, unsere Batterien aufzuladen. Gut das wir die Räder während des zweitägigen Aufenthaltes in Molde nur wenig genutzt hatten, so dauerte die Aufladung nicht so lange statt ansonsten bis zu 4 Stunden. Trotz der widrigen Umstände schafften wir die Strecke recht zügig, waren abends allerding ganz schön fertig.
Nun freuen wir uns auf Trondheim und deren Sehenswürdigkeiten.

 

Fünfter Tourbericht

Nach exakt 30 Tagen haben wir Trondheim erreicht. Wir fuhren bis hierher mehr als 2300 km und kletterten über 20.000 m hoch. Nun sind wir fest überzeugt, dass wir unser Gesamtziel, das Nordkap, erreichen werden. Einmal mehr hatten wir Glück mit dem Wetter, so dass wir uns die Highlights der Stadt Trondheim uneingeschränkt anschauen konnten. Danach brachen wir Richtung Bodo mit dem Zwischenziel Molde auf. Auf einem der Campingplätze drückte uns der Betreiber eine Straßenkarte mit dem Tip in die Hand, wir sollten uns bei unserer Weiterfahrt möglichst an die Touristenroute halten, da dies wohl der landschaftlich schönste und interessanteste Streckenabschnitt in diesem Teil Norwegens sei. Je näher wir der Atlantikküste kommen, um so steiler stürzen die schroffen Felsen in die tiefen Fjorde. Die Wasserfarbe wechselt, wohl durch die Intensität der Sonneneinstrahlung, von stahlblau über smaragdgrün auf dunkelgrau. Der Elektromotor unserer Räder unterstützt uns insbesondere an den Steigungen, die mitunter so langezogen und steil sind, das man sich wundert, wie sehr man sich auf die alten Tage noch quälen kann. Die Fährverbindungen sind inzwischen eine gern genommene Strampel-Unterbrechung. Die Straßenabschnitte sind zum Teil stark befahren. Oft verläuft die Route aber auch 10 bis 15 km ohne jedweden Verkehr an den Fjorden entlang. Die wechselnde Verkehrsdichte lässt sich mit dem Rhythmus der Fährfahrten erklären. Legt eine Fähre an, so überholen uns die übergesetzten Fahrzeuge meist in Kolonne. Anschließend wird es wieder ruhig und wir sind wieder alleine mit der Natur. Jetzt sieht man auch schon mahl den einen oder anderen Elch oder ein Rentier sowohl auf der Straße als auch im Gelände.
Da wir uns auf der Strecke vorwiegend selbst ernähren und das Essen auch zubereiten, bemühen wir uns, die Zutaten in den kurz vor den Tageszielen liegenden Einkaufsläden zu besorgen. Wir legen Wert auf eine den Anforderungen (Kohlehydrate) entsprechende Ernährung. Regelmäßig zaubern wir durchaus schmackhafte Leckereien auf den Tisch. Das eine oder andere Erzeugnis der norwegischen Braukunst ist uns ebenfalls gegönnt.
Nach den Strapazen der vorangegangenen Tage gönnen wir uns in Bodo ein schickes Hotel und einen frischen Haarschnitt. Es  wurde auch höchste Zeit! Wir kümmern uns um die Überfahrt zu den Lofoten und buchen die ersten Unterkünfte auf den Inseln.

 

Sechster Tourbericht

Die Überfahrt zu den Lofoten bei ruhiger See glich zunächst einem Slalom, da vor Bodo viele kleine Inseln liegen, die es zu umschiffen galt. Kaum, dass wir die kleinen Inseln hinter uns gelassen hatten, war, wenn auch zunächst undeutlich, die Inselwelt der Lofoten am Horizont zu erkennen. Nun, auf offener See, beginnt die Fähre doch etwas zu schaukeln und es wird einigen Touristen etwas unwohl. Auch diese Überfahrt ist für Radfahrer wieder kostenfrei und das Budget wird etwas geschont. Wir sind gespannt, ob sich die Landschaft abermals verändert, wie der Verkehr auf den Lofoten sein wird und, ob wir angemessene Unterkünfte finden werden. Der Lebensuterhalt ist hier für uns wohl mehr als doppelt so teuer wie in Deutschland.
Auch hat den Anschein, dass 2/3 der Norweger neben ihrem Hauptwohnsitz mindestens noch ein weiteres Haus an einem der zahlreichen Fjorde oder Seen stehen hat. Das verbleibende Drittel scheint, zumindest im Sommer, mit einem Wohnmobil unterwegs zu sein. Aber nicht nur Norweger sind auf den Straßen und Campingplätzen unterwegs. Holländer, Franzosen, Schweden, Deutsche und Camper anderer Nation reihen sich regelmäßig nachmittags vor den Schlagbäumen der Campingplätze auf, um einen der noch freien Stellplätze für die Nacht zu ergattern. Auch wir haben für die nächsten Übernachtungen wieder Hütten auf Campingplätzen reserviert. Neben der Route und unseren Schlafstellen haben wir auch auf die nicht so zahlreichen Einkaufsmöglichkeiten zu achten. Sie sollten möglichst nahe bei den gebuchten Unterkünften liegen, weil die Transportmöglichkeiten auf dem Rad begrenzt und jede Zuladung einen weiteren Energieverbrauch für Akku und Energieeinsatz für den Radler bedeutet.  Nicht nur wegen der Preise für ein Essen in den norwegischen Lokalen, auch das geringe  Angebot an Lokalen selbst schränken die Möglichkeiten, Essen zu gehen, erheblich ein. A
In den vergangenen Tagen haben wir auf der Strecke oder an einer der Fähren ebenfalls Fahrradfahrer/innen getroffen, die auch zum Nordkap fahren. Oft sind es junge Leute, die allerdings ohne elektrische Unterstützung unterwegs sind. Der Campingplatzbetreiber, der uns vorschlug, die Touristenroute zu fahren, und mit dem wir uns über die noch fehlende "Infrastruktur" (Auflademöglichkeiten) für Elektofahrräder auf der Strecke unterhielten,  bezeichnete uns als E-Bike-Pioniere auf dem Weg zu Nordkap.
Die Lofoten sind landschaftlich so besonders, daß es kaum möglich ist, das vom Auge erfasste, in einer Fotografie wiederzugeben. Innerhalb eines Blickfeldes registriert man steile Felsen, gras- und moosbedeckte Hügel, die zum Teil in Wolken gehüllt sind, aus denen Starkregen niedergeht. Und aus dieser Wolkenfront bricht die Sonne sich den Weg und hüllt die gerade noch dunklen Berghänge in ein warmes Licht. Ebenso wechselt das Fjordwasser seine Farbe von dunkelgrau zu einem schimmernden hellblau.
Leider hat es an den ersten drei Tagen auf den Lofoten immer mal wieder geregnet und die Wolken gaben der Sonne nur selten ein Fenster, so dass die tolle Landschaft freundlicher erschien. Nichtsdestotrotz können wir einige schöne Fotos schießen. Wir sind überrascht, dass neben den unzähligen, steilen Bergen und den Fjorden auch Platz für Landwirtschaft bleibt. Am 5.08. haben wir die Inselgruppe der Lofoten verlassen und sind auf die Vesteralen gewechselt. Mit dem Wechsel hat sich das Wetter zum Positiven verändert. Die Sonne scheint und die Temperaturen steigen bis auf 25°C. Die Unterkünfte, insbesondere die Hütten auf den Campingplätzen, werden immer teurer, doch gibt es kaum Alternativen. Wir haben heute den 8. August und befinden und auf der letzten Fähre vor Tromso. Dort haben wir wieder ein Hotelzimmer für zwei Tage gebucht, um uns die Stadt anzusehen und unserer Körpern etwas Ruhe zu gönnen. In unsern Beinen stecken inzwischen 3722 km und 34189 hm. Der letzte Tourabschnitt bis zum Nordkap liegt nun vor uns, und wir planen, unser großes Ziel in ca. einer Woche zu erreichen.


 

Siebter Tourbericht

Oberhalb von Tromso hatten wir kaum befahrene, schmale Straßen, Ortschaften mit wenigen Einwohnern, karges Land, niedrige Temperaturen, Regen und einen Mangel an Übernachtungsmöglichkeiten erwartet. Die kleine Stadt Alta und deren Umgebung lässt uns jedoch fast glauben, man sei in Florida. Toll ausgebaute Straßen, große Grundstücke mit prächtigen Häusern, Sandstrände, schöne Hotels, sehr viel Wasser, nur die Berge passen nicht ins Bild. Dazu wieder Sonnenschein und auch hier finden wir zu unser Überraschung passende Unterkünfte.
Wir treffen auf dem Weg weitere Nordkap-Radler/innen, was nicht verwundert, wird doch die Anzahl an Straßen, über die das Nordkap zu erreichen ist, ständig geringer.
Auf dem Campingplatz in Sekkemo kamen wir mit zwei Radlerinnen, welche die Nachbarhütte bezogen hatten, ins Gespräch. Die beiden Freundinnen, Trixie, Deutsche und Hanne, Norwegerin, lernten sich auf Fahrradtouren durch Afrika kennen. Nun waren sie aus Hannes Heimatstadt - Finnsnes zum Nordkap unterwegs. Jedoch hatten Sie sich lediglich eine Woche Zeit genommen, da beide Damen noch im Beruf stehen. Das Projekt, die Aidshilfe auf unserer Tour zu unterstützen, interessierte die Beiden sehr, so dass Sie uns Tags darauf zum Essen einluden. Im weiteren Verlauf der Unterhaltung erzählten die Damen, dass man auch für recht "kleines Geld" mit dem Hurtigrouten Schiff wieder Richtung Süden kommen kann. Diese Gelegenheit, nochmals,  allerdings zu Wasser, die Fiordlandschaft zu durchfahren, wollten wir uns nicht entgehen lassen. Wir buchten also einen Teil unsrer Rückfahrt - von Honningsvag nach Finnsnes mit dem Schiff. Trixie verdoppelte zudem den  bisher auf der Reise angefallenen Spendenbetrag.
Ab dem dritletzten Tag vor dem Ziel sahen wir dann unsere Vorstellungen hinsichtlich Landschaft, Besiedlungsdichte, Wetter, etc. bestätigt.
Viele nackte Felsen, Hochebenen und Berge ohne jeden Baumbewuchs, über 50 km kein Haus und keine Unterstellmöglichket, heftige Regenschauer, die genau so schnell wieder nachliessen, wie sie aufziehen. Wind, der aus allen Richtungen gleichzeitig zu blasen scheint und mitunter so böhig ist, dass es einen fast vom Rad bläst. Übernachtungsmöglichkeiten scheint es ausreichend zu geben. Hier sind die Norweger ebenfalls gut aufgestellt. Rentiere laufen uns nun immer häufiger über den Weg. Elche dagegen sehen wir sehr selten und wenn, nur aus größeren Entfernung. Mit Freude nehmen wir am Straßenrand ein Hinweisschild "Nordkap 125 km" wahr. Am 16.08.2021 ist das Nordkap nicht der Ort, an dem man gerne verweilt. Wir sind bis hierher 4303 km und 39750 Höhenmeter geradelt. Es ist kalt, der Wind bläst heftig, es regnet immer wieder. Wir sind von unserer Unterkunft, die wir gestern bezogen hatten, heute Morgen um 5 Uhr aufgebrochen, um möglichst ungestört am Nordkap zu sein. Auf dem Weg hat es geregnet, so daß wir nass sind und uns sehr kalt ist. Zwei Motorradfahrer aus Calw bei Karlsruhe haben von uns einige Bilder mit dem "Globe" gemacht. Der Banner der Aidshilfe Wuppertal fand auch seine Beachtung. Die Sonne brach unvermittelt durch die Wolken und zeichnete zwei konzentrierte Kreise auf die dunkle See. Wir fuhren dann wieder zur Hütte zurück, Schlaf nachholen und haben nun Quartier in der Nähe von Honningsvag bezogen. Von dort geht es am Mittwoch um 6 Uhr mit dem Hurtigrouten-Schiff nach Finnsnes. Die nächsten 420 km bis nach Fauske werden wir wieder mit dem Fahrrad zurücklegen. In Fauske nehmen wir den Zug nach Oslo und gehen dann auf die Fähre nach Kiel, wo uns unsere Ehefrauen empfangen werden.

 

Achter Tourbericht

Die Entscheidung, unsere Heimreise mit einem Hurtigruten-Schiff zu beginnen, haben wir nicht bereut. Am 18.08.2021 legen wir um 6:00 Uhr in Honnigsvag, nahe dem Nordkap ab. Beeindruckend, wie sich das große Schiff durch die mitunter engen Fjorde schlängelt und die kleinen, auf der Route liegenden Ortschaften ansteuert. Viele ältere Passagiere machen genaue Aufzeichnungen und Fotos von den Sehenswürdigkeiten, die schon zu hunderten im Internet archiviert wurden. Großartig, auch vom Schiff zu sehen, welche Strecken wir Tage und Wochen zuvor mit dem Rad zurückgelegt haben. Bei der Ankunft um 4:00 Uhr in Finnsnes holt uns unsere neue Bekannte, Trixie zu einem zünftigen Frühstück, im Hause von Hanne, am Hafen ab.
Um kurz nach 7:00 Uhr machen wir uns gestärkt auf die restlichen 400 km Radweg bis nach Fauske. Hier erreichen wir die erste Bahnverbindung, die uns in Richtung Süden bringen wird. Die Tagesabschnitte fordern, aufgrund der vielen zu bewältigenden Höhenmeter, einmal mehr unsere Kondition. Ein weiterer Regentag mischt sich unter die vorwiegend schönen Wetterabschnitte. Der fünfte Tourabschnitt von Morsvikbotn nach Fauske ist wegen der 10 Tunnel, die auf den 80 km zu durchfahren sind, eine letzte Herausforderung.
Ein wenig Wehmut befällt uns schon, als wir in Fauske am Wasser entlang radeln und die letzten Besorgungen für die Zugfahrt nach Oslo machen.
Am 23.08.2021 steigen wir um 22:00 Uhr in den Zug nach Trondheim, wo es am Morgen um 8:00 Uhr, nach einer Stunde Aufenthalt in Richtung Oslo, weitergeht. Die Räder werden sicher in einem separaten Transsportbereich des Zuges untergebracht. Das Gepäck ist komplett vom Fahrrad zu nehmen, da der Zugeinstieg deutlich über Bahnsteigniveau liegt. Die ca. 17-stündige Zugrückfahrt spiegelt uns noch einmal die unfassbare Distanz, welche wir in den letzten Wochen zurückgelegt haben.
Zwei Tage Oslo mit Einkaufen, Besichtigungen einiger Sehenswürdigkeiten und Restaurantbesuchen beim Inder und Italiener runden die Rückfahrt unserer Norwegenreise ab.
Am Donnerstag, den 26. August legt das Schiff der Color Line, welches uns nach Kiel bringt, um 14:00 Uhr zu einer 22-stündigen "Minikreuzfahrt" im Hafen von Oslo ab. Pünktlich um 10:00 Uhr am Freitagmorgen legt das mächtige Schiff im Hafen von Kiel an. Wenige Minuten später haben wir bereits wieder festen Boden unter unseren Rädern, die uns bis auf kaum erwähnenswerte Reparatur- und Wartungsarbeiten nie im Stich ließen.
Unsere Ehefrauen warten am Kai mit Sekt und handgefertigten Willkommensplakaten. Von weitem sehen und hören wir die Wiedersehensfreude, die auch uns bei diesem Anblick befällt.
Ein schöner Abend in Bremen, an dem wir eine Menge, aber lange nicht alle Erlebnisse, Eindrücke, Erfahrungen, etc. berichten konnten, rundete unsere Reise ab.

Zahlen, Daten, Erfahrungen

Auf unserer Tour legten wir 4784 Kilometer mit dem Fahrrad zurück und kletterten hierbei auf insgesamt 46099 Höhenmeter. Wir durchfuhren ca. 35 Straßentunnel, von denen der kürzeste 50 Meter und der Tunnel vor dem Nordkap mit 6870 Meter der längste war. Der Nordkaptunnel führt 212 Meter unter dem Meeresspiegel hindurch. Er hat bei der Einfahrt in nördlicher Richtung ein Gefälle von 9% und steigt nach ca. 4 Kilometer wieder auf das Ausgangsniveau. Trotz der rücksichtsvollen Fahrweise der Fahrzeuglenker in Norwegen ist das Befahren der Tunnel mit dem Fahrrad emotional und auch körperlich eine Herausforderung. Sowohl die Tunnel als auch die meisten Brücken bieten keine separate Spur für Fahrräder. Bis auf wenige Tunnel hätten die meisten umfahren werden können. Jedoch sind diese Umfahrungen meist länger und oft mit erheblichen Steigungen verbunden.
Die Fjordbrücken nehmen mitunter enorme Ausmaße an und man ist gut beraten, die Überquerung bei starkem Wind zu vermeiden oder das Rad auf den schmalen Fußwegen zu schieben.
Neben den Brücken und Tunneln sichern auf der Strecke viele Fährverbindungen die Kreuzung der unzähligen Gewässer ab. Während die großen Fähren von Hirtshals nach Kristiansand, von den Vesteralen zurück auf das Festland und von Oslo nach Kiel kostenpflichtig waren, konnten Fahrradfahrer die Fährverbindungen zwischen den Fjorden „coronabedingt“ unentgeltlich nutzen. Insgesamt haben wir 21 Fährverbindungen kostenfrei nutzen können und so die Möglichkeit gehabt, die Fjordlandschaft auch vom Wasser umfänglich zu betrachten.
Wir wollten die Natur und Landschaft hautnah erleben und dies weitestgehend umweltschonend. Daher haben wir uns für das E-Bike entschieden. Die E-Bike-Nutzung in Norwegen, für solch lange Touren, setzt aber auch eine detaillierte und vorausschauende Strecken- und Unterkunftsplanung voraus. Für den Notfall haben wir zwar ein Zelt mitgeführt, hätten jedoch wegen der notwendigen Akku-Ladungen immer eine Campingplatz-Übernachtung wählen müssen. Zur Bewältigung der besonders anspruchsvollen Tagesetappen war auch das Nachladen der Batterien auf der Strecke erforderlich. Während die nächstgelegenen Ladesäulen für E-Mobile regelmäßig am Straßenrand angekündigt wurden, erforderte das Aufspüren einer Schuko-Steckdose an Tankstellen, Supermärkten, öffentlichen Gebäuden, Fähranlegestellen oder auf Rastplätzen schon ein geschultes Auge der E-Bike-Fahrer. 90% der Tagesetappen konnten wir mit einer Akku-Ladung von 625 Wh „Watt-Stunden“ fahren. An 6 Tagen haben wir im Tagesverlauf vorsorglich nachgeladen. Auf der Gesamtstrecke wurden die Akkus 625 Wh (Watt-Stunden) ca. 65-mal geladen. Die Stromkosten für die Gesamtstrecke der zwei Räder beliefen sich bei 32 Cent/kWh auf 26 €. Gegenüber einem durchschnittlichen PKW mit einen CO² - Ausstoß von 128 Gramm/km, haben wir die Umwelt durch Vermeidung von 614 kg CO² auf unserer Tour geschont.

Abschließend unsere persönlichen Resümees:

Für mich, Michael, war es eine unglaubliche Erfahrung, die ich nicht missen möchte. Sowohl die sportliche Herausforderung mit viel schweißtreibendem bergauf „Arbeiten“ und nachfolgenden, wilden Abfahrten, die fantastischen Landschaften mit unzähligen Bergen und Fjorden, die kaum zu beschreibenden Himmel- und Wolkenbilder nördlich des Polarkreises sowie die uns begleitenden Menschen zu Hause und unterwegs waren es mehr als wert, eine solche Tour zu machen. Wir waren als Pioniere des E-Bike-Fahrens in Norwegen und als Botschafter für die Aidshilfe Wuppertal unterwegs. Das macht mich stolz und hinterlässt ein sehr befriedigendes Gefühl in mir.

Ich, Günter, war mir, trotz aller intensiven Vorbereitungen und Trainingstouren nicht sicher, ob ich  die lange und anspruchsvolle Strecke werde bewältigen können. Eine neue Erfahrung, dass man sich jenseits der 60 noch dermaßen die Bergen hoch quälen kann. Mit jedem km, den wir der Stadt Trondheim näher kamen, wich die Skepsis, unser Ziel nicht erreichen zu können. Ein gutes und unterstützendes Miteinander war ein weiterer Garant zum Gelingen unseres Vorhabens. Alle Erwartungen - tolle Städte und Ortschaften, atemberaubende Landschaften, nette Menschen und Bekanntschaften auf Tour-Abschnitten, das wechselnde Wetter, die Farben der Fjorde, Gebirgsformationen, wie ich sie so noch nie gesehen hatte - haben sich auf dieser Reise erfüllt. Es war die Traumtour hinauf in den Norden, auf den schönsten Straßen der Welt.

Allen, die uns auf unserer Tour begleitet haben, in dem Sie unsere Berichte gelesen, die Bilder oder Videos geschaut, mit uns telefoniert oder sich nach unserem Befinden erkundigt haben, sagen wir auf diesem Wege vielen, vielen Dank.

Michael Eckert und Günter Schilbock

 

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